Die Orte

Kulturerbe Goldener Steig – ein gemeinsames Projekt der Gemeinden Hinterschmiding und Philippsreut, des Markts Röhrnbach und der Städte Freyung und Waldkirchen.

Gemeinde Hinterschmiding
Wappen Gemeinde Hinterschmiding

Gemeinde Hinterschmiding


Die Ortschaft Herzogsreut in der Gemeinde Hinterschmiding verdankt ihren Ursprung dem Goldenen Steig. Sie entstand Anfang des 17. Jahrhunderts direkt am so wichtigen Handelsweg kurz vor der Grenze nach Böhmen.

Hier hatten Mensch und Tier nochmal die Möglichkeit, sich vor der Grenzüberquerung in Philippsreut zu stärken und Rast zu machen. Mittlerweile gibt es Herzogsreut seit 400 Jahren. Zum Anlass der Feierlichkeiten im Jahre 2018 wurde mit großem ehrenamtlichem Engagement der Bevölkerung ein Platz zum Verweilen im Ortszentrum installiert und dort zudem ein Gedenkstein platziert. Der Gedenkstein soll als ein sichtbares Zeichen für die Bevölkerung dienen und auch die nächsten Generationen an die Zeit des Handels zwischen Bayern und Böhmen erinnern. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum der Ortschaft wurde der Gedenkstein zudem in einer kirchlichen Zeremonie geweiht.

Gemeinde Philippsreuth
Wappen Gemeinde Hinterschmiding

Gemeinde Philippsreut


Das Grenzdorf Philippsreut verdankt seine Entstehung und seinen Namen dem Passauer Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg, der hier am mittleren Goldenen Steig nach Winterberg im Jahr 1692 zur Sicherung der nahen Grenze am Weg 6 Häuser anlegen ließ. Die Siedler hatten es recht schwer, in einem rauen Klima mit Waldweidewirtschaft und Holzarbeit ihren Lebens- unterhalt zu finden.

Der alte Philippsreuter Dorfbrunnen hatte bereits im Jahr 2019 ausgedient und wurde durch den Bauhof abgebaut. Es war den Bürgern ein Anliegen, dass hier wieder ein neuer "Grand" errichtet wird, da dieser das Ortsbild prägt und direkt am Goldenen Steig liegt. Der neue Dorfbrunnen wurde im Jahr 2021 in Eigenleistung engagierter Bürger in über 100 Stunden gebaut. Es war den Errichtern wichtig, dass die Holzfigur, die schon seit Jahrzenten am "Standner" steht, und Symbolkraft für die Ursiedler von Kleinphilippsreut hat, erhalten bleibt. Die Holzfigur, die einen Holzhauer bei der Waldarbeit darstellt, wurde restauriert und in den bestehenden Brunnen integriert.

Markt Röhrnbach
Wappen Gemeinde Hinterschmiding

Markt Röhrnbach


Als Grenzgemeinde der beiden Landkreise Freyung-Grafenau und Passau ist der Markt Röhrnbach "das Tor zum Nationalpark Bayerischer Wald" und des Goldenen Steiges. Röhrnbach, 1170 erstmals urkundlich erwähnt, erlebte im Mittelalter dank seiner Lage an einem der Hauptzweige des Goldenen Steiges, einem vielgenutzten Säumerweg von Passau nach Böhmen, eine wirtschaftliche Blütezeit. Historiker vermuten, dass sich in Röhrnbach an der historischen steinernen Brücke an manchen Tagen 30 und mehr Säumer begegneten. Die Errichtung einer Mautstelle in Röhrnbach erfolgte schließlich in der Zeit zwischen 1517 und 1540. Um der Mautprellerei entgegen wirken zu können, wurde um 1592 eine steinerne Brücke errichtet.

Darüber hinaus wurde mit diesem Bau der Verkehr nach Röhrnbach kanalisiert. Die Mautstation mit Unterstand auf der Brücke befand sich bis 1806 vermutlich an der Stelle der heutigen Nepomuk-Kapelle, dem Brückenheiligen. Die Brücke, die als Wahrzeichen von Röhrnbach zählt, ist die älteste Steinbogenbrücke des Unteren Bayerischen Waldes. Als Baudenkmal ist sie in der Denkmalliste eingetragen. Als markantes Bauwerk erinnert sie heute noch an jene Zeit, als sich Händlerzüge den gefährlichen Weg durch den Nordwald bahnten.

Bedingt durch die lange Zeit der Verkehrsbelastung sowie durch Feuchtigkeits- und Frosteinwirkungen entstanden erhebliche Schäden an der Brücke. Nach einem statischen Plangutachten wurde die dringende Notwendigkeit einer Generalsanierung aufgezeigt. Im Frühjahr 2013 wurde mit den Arbeiten begonnen und im Herbst 2014 konnte die sanierte Brücke, nach knapp 2 Jahren Bauzeit, für den öffentlichen Verkehr wieder freigegeben werden. Die offizielle Einweihung erfolgte im Mai 2015 mit einem Brückenfest.

Wappen Gemeinde Hinterschmiding

Stadt Freyung


Der Goldene Steig war für Freyung immer von großer Bedeutung. Nicht nur Säumer benutzten die Steige, sondern auch weitgereiste Händler. Sie transportierten wertvolle Waren, wie z. B. Gewürze und italienische Stoffe, nach Böhmen. Kreuzberg und Freyung waren für Händler und Säumer wichtige Einkehrorte, in denen sie übernachteten und sich verpflegten. Die Wichtigkeit des Goldenen Steiges wird in Freyung unter anderem im Schramlhaus dokumentiert. Im Freyunger Schramlhaus, dem ältesten Bauernhaus im Ort (errichtet um 1700), befindet sich das Wolfsteiner Heimatmuseum, in dem die frühere Lebensweise der Waidler besichtigt werden kann. Bäuerliche Wohnkultur, altes Handwerk, bäuerliches Gerät, aber auch sakrale Volkskunst und eine Sammlung sehenswerter Hinterglasbilder können bestaunt werden. Im bisher ungenutzten, weitläufigen

Garten des Schramlhauses wurde im Zuge des Jubiläums "1000 Jahre Goldener Steig" ein Rundweg mit dem Thema "Leben und Handwerk am Goldenen Steig" angelegt. Sechs Infotafeln mit wunderschönen Illustrationen vom bekannten Künstler Rudi Ranzinger und Texten, ausgearbeitet vom damaligen Kreisheimatpfleger Hanns Gruber und dem aktuellen Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland, wurden dazu auf einem kleinen Rundweg aufgestellt. Der Rundweg wurde zum Teil originalgetreu den früheren Hohlwegen des Goldenen Steiges nachempfunden.

Stadt Waldkirchen
Wappen Gemeinde Hinterschmiding

Stadt Waldkirchen


In Waldkirchen, einst Hauptort am Goldenen Steig, ist die Geschichte des Salzhandels in vielen Bereichen der Innenstadt hautnah zu spüren. Das wichtigste Relikt, die Ringmauer, wurde noch besser in Szene gesetzt. So erstrahlt sie abends eindrucksvoll in hellem grün. Die Radabweiserfamilie erhielt in den letzten Jahren Zuwachs. Sie stehen an geschichtsträchtigen Häusern, dienen gerne als Fotomotiv und informieren über die Geschichte Waldkirchens zur Salzhandelszeit.

Ein weiteres Schmuckkästchen ist das Museum Goldener Steig. Es zeigt nicht nur die frühere Bedeutung Waldkirchens am Goldenen Steig auf, sondern dokumentiert umfassend den Goldenen Steig selbst als wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zwischen Bayern und Böhmen im Verlauf von fast tausend Jahren. Neu inszeniert wurde die Säumerausstellung. Außerdem warten viele neue digitale Info-Stationen auf den Museumsbesucher. Mit dem neuen Multimediaguide wird die Waldkirchner Geschichte in moderner Form erlebbar.

Kubova Hut’


Im tiefen Wald am westlichen Abhang des Berges Kubany (1362 m ü. d. M.) versteckt sich einer der größten Komplexe der Überreste des Goldenen Steiges – das Kubohütten-System. Er wurde in den Jahren 1994 bis 1998 auch mit dem Metallsuchgerät erforscht und zu gleicher Zeit auch geodätisch vermessen. Das Gewirr seiner einzelnen Gleise mit vielen Kreuzungen und Abbiegungen und vor allem sein imposantes Hauptgleis vermitteln uns eine anschauliche Vorstellung über die Bedeutung des Goldenen Steiges und die Verkehrsintensität in der Blütezeit seiner Existenz. Das Hauptgleis ist ein massiver Hohlweg, der meistens 6 bis 8 Meter breit und im unteren Teil bis 2 Meter tief ist. Lange Abschnitte sind an Seiten mit Steinen ausgelegt und werden von alten Ecksteinen begleitet, die in der Neuzeit einzelne Waldreviere abgrenzten. Das Hauptgleis wurde ganz sicher auch nach dem Untergang des Goldenen Steiges benutzt, und auch in der Zeit, als sich die Trasse der Hauptkommunikation von Winterberg bis zur Passauer und später bayerischen Grenze auf die andere Seite des Ernstbergbachtals verschob (dort ist sie bis heute).

Etwa in der Mitte ist das Kubohütten- System durch einen Sumpf unterbrochen, der sogar im Sommer nicht trocken wird. In diesem Raum können sich heute die Touristen eine Tafel des Lehrsteiges "Winterberger Zweig des Goldenen Steiges" anschauen. Die Erforschung mit dem Metallsuchgerät entdeckte im System eine Kollektion von Metallgegenständen, die den regen Verkehr in diesem Abschnitt des Goldenen Steiges dokumentieren. Am häufigsten sind kleine Hufeisen der Säumerpferde vertreten, die auch von anderen Abschnitten des Goldenen Steiges bekannt und typisch sind. Die unweit liegende Ortschaft Kubohütten entstand um eine Glashütte herum, die "auf dem Passauer Säumerweg, der Goldene Steig genannt, oberhalb des Dorfes Obermoldau" vom Winterberger Bürger Jan Padescheyder gegründet wurde. Die Bewilligung dazu bekam er im Jahr 1728 vom Fürsten Adam Franz Schwarzenberg.

Auf der Eisenbahnstrecke Wallern – Strakonitz befindet sich hier die höchstgelegene Bahnstation Tschechiens und die Ortschaft ist heute ein bedeutendes Zentrum des Fremdenverkehrs in diesem Teil des Böhmerwaldes.